Der Nerven- bzw. Stresstyp
Gerät ein Mensch unter starken Stress, schaltet über kurz oder lang der bewusste Verstand ab und das sprichwörtliche Lebenserhaltungssystem übernimmt das Steuer. Dass nicht jeder unter Stress gleich reagiert ist eine unbestrittene Tatsache, doch warum genau reagieren wir immer nach einem bestimmten Muster? Die Antwort ist ganz einfach. Jeder Mensch hat einen bevorzugten Nerven- bzw. Stresstypen. Diese beiden Stresstypen nennen sich Vagotoniker und Sympathikotoniker.
Der Vagotoniker
Beim Vagotoniker ist das Gleichgewicht in Richtung Parasympathikus (Vagus) verschoben.
Äußerlich ist diesen Menschen kaum eine Regung anzusehen. Sie wirken oft betont ruhig und beherrscht.
Ihre "inneren" Konflikte tragen sie durch parasympathische Reaktionen, beispielsweise Magen-Darm-Störungen aus.
Auch dieser Typ kann in akuten Situationen mit Kopfschmerzen (durch Blutdruckabfall, Blutleere im Kopf) reagieren.
Durch Unterversorgung des Gehirns sind Konzentrationsprobleme ebenfalls häufig zu beobachten. Der Vagotoniker reagiert dann eher mit Schwindelgefühl, Benommenheit und Müdigkeit oder Ohnmacht.
Er versucht ständig, sich zu dämpfen, Entspannungstechniken (z.B. Autogenes Training) sollte er tunlichst vermeiden.
Ein typischer Vagotoniker wird bei solchen Trainings unter Umständen noch lethargischer oder sogar depressiver.
Vagotoniker sollten in ihrer Freizeit unbedingt aktivierende Tätigkeiten vorziehen (Aktivurlaub, Reiten, intensive Gartenarbeit), auch wenn sie ihrer Grundeinstellung widerstreben.
Häufig sind Vagotoniker rechtshirnig.
Der Vagotoniker reagiert passiv, introvertiert, depressiv und mit passivem Muskelreflex.
Er spannt unbewusst Nacken, Schultern, Arm- und Beinmuskeln an, er geht eher in gebückter Haltung durchs Leben. Er bildet einen Muskelpanzer um seinen Schultergürtel aus.
Der Sympathikotoniker
Ein vom Sympathikus regierter Mensch fühlt sich häufig angespannt, neigt zu Bluthochdruck und Kopfschmerzen.
Sympathikotoniker leiden öfter unter Unruhe, Nervosität, feuchten Händen, Konzentrationsproblemen, Einschlafschwierigkeiten durch Überaktivität, und Herz-Kreislaufproblemen.
In akuten Stresssituationen reagieren sie häufig aufbrausend und aggressiv, indem sie "in die Luft gehen" oder schreien. Durch die Verschiebung zum Sympathikus,
kommen sie zu schnell in einen Alarmzustand. Das Erlernen einer Entspannungsmethode wäre angebracht.
Seine Überaktivität sollte er durch ausgiebige Erholungsurlaube ausgleichen (keine Aktivurlaube).
Saunabesuche und Massagen wie auch besinnliche Aufenthalte in freier Natur stellen schnell umsetzbare erste Schritte dar. Oft sind Sympathikotoniker linkshirnig.
Der Sympathikotoniker reagiert aktiv, extrovertiert, aggressiv und mit aktiver Muskelspannung.
Er spannt unbewusst seine Rumpf- und Rückenmuskeln an. Er geht zumeist betont aufrecht.
Viele dieser Menschen neigen zu erhöhtem Alkoholkonsum, da sie erkannt haben, dass dieser sie in Stress- und Angstsituationen, entspannt und beruhigt (Spiegeltrinker).
Daraus kann binnen kürzester Zeit ein Suchtproblem entstehen. Der geborene Sympathikotoniker kann durch Zwang oder Versagen rein äußerlich zu einem Vagotoniker "umfunktioniert" werden.